Dienstag, 10.03.2015, 17:38 Uhr, „B / Explosion Wohnhaus"

Im Gundelfinger Stadtteil Echenbrunn kam es in den Abendstunden des Dienstag, 10.03.2015 im ehemaligen „Bierstüble“ zu einer verheerenden Explosion. Zum Zeitpunkt des Unglücks befand sich das Eigentümerehepaar im Haus, im Obergeschoss hielt sich der 57-Jährige Ehemann und im Erdgeschoss seine 43-Jährige Gattin auf. Nach einer gewaltigen Detonation stand das Haus - samt Anbauten komplett in Flammen. Da die Hausmauern durch die Explosions-Stoßwelle nach außen gekippt waren, konnte der schwerverletzte 57-jährige Hausbesitzer durch engagierte Nachbarn über eine Leiter aus dem ersten Stock des brennenden Haus gerettet werden. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte betreuten sie ihn und versuchten, ihn zu beruhigen.

Kurz nach 17.30 Uhr gingen am Dienstag, 10.03.2015 Notrufe bei der Integrierten Leitstelle Augsburg ein. Für die Feuerwehren der Stadt Gundelfingen wurde um 17:38 Uhr Vollalarm ausgelöst. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte stand das Gebäude schon komplett in Flammen und die Straße war von herausgeschleuderten Dachziegeln und Trümmern der Fassade übersät. Das nachfolgende Großaufgebot an Rettungs- und Einsatzkräften konnte aufgrund der über der Einsatzstelle stehenden hohen Rauchwolke “auf Sicht” anfahren. Zu diesem Zeitpunkt war die Schadensursache noch unklar. Ersten Einsatzinformationen zufolge sollten in dem zirka 20 mal 15 Meter großen Komplex viele Gasflaschen lagern – was sich aber glücklicherweise als nicht nachweisbar herausstellte. Des Weiteren wird in dem brennenden Gebäude die Hausbesitzerin vermutet.

Die feuerwehrtechnische Erstmaßnahme am Brandobjekt war, ein Übergreifen der Flammen auf die benachbarten Anwesen zu verhindern. Ein Eindringen in Gebäudeteile des Explosionshauses war von Beginn an zu gefährlich, so dass die Feuerwehren die Flammen mit massivem Löschangriff von außen wirksam bekämpften. Die Wasserentnahme erfolgte sowohl aus den Löschwasserbehältern der wasserführenden Fahrzeuge, dem städtischen Hydrantennetz als auch vom nahegelegen Ölbach. Hierzu erfolgte u. a. eine ca. 120 Meter lange Löschwasserförderung mittels zwei B-Leitungen entlang des Quellweges. Zur Löschwasserentnahme und -förderung waren die Feuerwehren Echenbrunn und Peterswörth sowie die Werkfeuerwehr Gartner mit drei Tragkraftspritzen eingesetzt. Die umfassende Brandbekämpfung wurde mittels Wenderohr über die Drehleiter und bis zu 13 C-Rohren durchgeführt. Die Feuerwehr Gundelfingen wurde beim Atemschutzeinsatz durch die Lauinger Kollegen und die WF Gartner unterstützt – im Einsatzverlauf kamen insgesamt sechs Trupps unter umluftunabhängigem Atemschutz zum Einsatz. Relativ schnell gelang es, den Brand zu kontrollieren – das anhaltend ausströmende Gas erschwerte jedoch die Lösch- und Rettungsarbeiten.

Wegen des umfangreichen Gebäudeschadens und des damit verbundenen Trümmerfeldes wurden großräumige Absperrmaßnahmen in Zusammenarbeit mit der Polizei und der beteiligten Feuerwehren erstellt.

Währenddessen konnte der durch die Nachbarn schwerst verletzt gerettete 57-Jährige mit einem Rettungshubschrauber in eine Münchener Spezialklinik geflogen werden.

Entsprechende Bereitschaftsdienste der zuständigen EVUs wurden angefordert, um die Gas- und Stromversorgung des explodierten Hauses abzustellen. Für die Personensuche im verschütteten Gebäude sowie zur Mitwirkung bei den Nachlöscharbeiten von versteckten Glutnestern ließen wir das THW mit Spezialgerätschaften nachfordern. Die durch die Druckwelle der Explosion geborstenen Fensterscheiben der Nachbargebäude wurden im Laufe des Einsatzes zum Schutz vor Witterungseinflüssen durch THW-Einsatzkräfte mit Spanplatten verschlossen.

Nachdem an der Einsatzstelle weiterhin eine Gaskonzentration gemessen werden konnte, wurde an einigen Stellen im Gehwegbereich nach der Gasleitung gebaggert – um das Austreten von weiterem Gas stoppen zu können. Nachdem dies vollzogen war, konnten die letzten Brandherde abgelöscht werden und mit der Suche nach der Vermissten in dem völlig zerstörten Haus begonnen werden – dies erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Baggerführer des THW - schichtweise wurden hierzu die Trümmer abgetragen. Ebenfalls war dazu der Radlader des städtischen Bauhofes eingesetzt, welcher zur Unterstützung der Bergungs- und Aufräumarbeiten angefordert wurde. Da die entfernten Trümmerteile aufgrund der räumlichen Begebenheiten nicht im Bereich der Schadensstelle deponiert werden konnten, wurden diese mit zwei Kippern zu einer nahegelegenen Lagerstelle transportiert. Hierdurch freigelegte Glutnester wurden in diesem Zuge mit den bereitgehaltenen C-Rohren abgelöscht. Um die Schadensstelle großflächig und blendfrei ausleuchten zu können waren Lichtmastanhänger und mehrere Stative mit Flutlichtstrahler sowie der Beleuchtungs-Unimog des THW eingesetzt.

Ein großes Medieninteresse seitens der schreibenden und filmischen Medien war bereits kurz nach Bekanntwerden der Einsatztragik an der Unglücksstelle zugegen. Sie machten Fotos und Filme, behinderten das Einsatzgeschehen aber in keinster Weise, da sich die UG-ÖEL u. a. um die Medienvertreter vor Ort kümmerte.

Gegen ca. 03:30 Uhr wurden wir dann mit der traurigen Gewissheit konfrontiert: zwischen verkohlten Holzresten, unter Mauerstücken und Ziegelsteinen konnte eine Frauenleiche aufgefunden werden. Zur weiteren Untersuchung und Identifizierung wurde die Einsatzstelle an die Polizei übergeben – für deren Ermittlungen wurde die Leichenfundstelle noch weiter ausgeleuchtet. Nach Abschluss konnten gegen ca. 5.45 Uhr unsere letzten Einsatzkräfte Vom Schadensobjekt abrücken und die Einsatzbereitschaft im Gerätehaus wieder herstellen.

 

Am Mittwochnachmittag ermittelten Dillinger Kriminalbeamte mit Kollegen vom Landeskriminalamt und Mitarbeitern des zuständigen EVU die Ursache für die verheerende Explosion: eine Gasleitung, ein zwar inaktiver, aber unter Druck stehender, Abzweiger zur ehemaligen Gaststätte, wurde mit einem Erdspieß, einem sog. Tiefen(Stab)erder, welcher an dieser Stelle in den Boden gerammt wurde, beschädigt. Nachdem in dem Haus eine neue Elektroanlage installiert werden sollte, wird als Verursacher ein Elektriker vermutet. So konnte Gas austreten und es reichte am frühen Abend des 10. März vermutlich ein kleiner Funke aus, dass es infolgedessen zu der gewaltigen Detonation kam.

 

Über 150 Einsatzkräfte waren während des Einsatzes an der Brandbekämpfung und den weiteren Einsatzmaßnahmen beteiligt: dies sind die Freiwilligen Feuerwehren aus Echenbrunn, Gundelfingen, Peterswörth und Lauingen, die Werkfeuerwehr Gartner, das THW Dillingen, die Kreisbrandinspektion, die Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL), das BRK der Kreisverbände aus Dillingen und Günzburg mit Notärzten, zwei Rettungshubschrauber aus Augsburg und Ingolstadt, Beamte der Kriminalpolizei Dillingen und das Landeskriminalamtes, Brandermittler und das Kriseninterventionsteam sowie Mitarbeiter der zuständigen Energieversorgungsunternehmen (EVU) und des Bauhofs der Stadt Gundelfingen a.d. Donau. Durch die v. g. Einsatzkräfte wurden im Verlauf des geschilderten Haupteinsatzgeschehens rund 1.025 Stunden Hilfe geleistet. Die Zusammenarbeit aller Hilfs- und Rettungsorganisationen im Verlauf des Einsatzes kann als sehr positiv bewertet werden. Dank gebührt dem Echenbrunner Gasthof Sonne für die Bereitschaft, die Verpflegung der Einsatzkräfte zu übernehmen - ebenso dem Gundelfinger Bauunternehmen, Fa. Nägele AG für die Bereitstellung des Kipper-LKW samt Kraftfahrer zur Beräumung der Schadensstelle.

Einsatzberich als PDF-Dokument
2015_03_10_FFG_Einsatzbericht-Explosion-[...]
PDF-Dokument [1.2 MB]
Dankschreiben des Bürgermeister
2015_03_11-Dankschreiben_BGM.pdf
PDF-Dokument [324.2 KB]
Dankschreiben des Landrats des Landkreis Dillingen a.d. Donau Leo Schrell
2015_03_17-Dankschreiben_Landrat.pdf
PDF-Dokument [470.3 KB]